Mit dem Reisefahrad über die Inseln der kroatischen Adria, entlang der Küste Istriens und durch das alpine Socatal in Slowenien

Überblick:

Mit meinem langjährigen Reisepartner Rolf beginnt eine unserer abwechslungsreichsten Radreisen im kroatisch-dalmatischen Dubrovnik. Über sechs Inseln der kroatischen Adria hüpfen wir bis Istrien. Entlang der Küste geht es nach Norden mit einem Abstecher in das italienische Triest. Das Socatal ist sicher eines der schönsten Täler der slowenischen Alpen. Mit dem Rad „erfahren“ wir die Natur mit allen „Höhen und Tiefen“. Über den Predelpass geht es ins österreichische Villach, dem Ziel unserer 15-tägigen Reise. Wir übernachten in kleinen Hotels, Appartements und Privatunterkünften. In unserer Reisezeit, Ende Mai, ist es recht einfach, eine preiswerte Unterkunft zu finden. Auf dieser Reise begleitet uns zum ersten Mal mein neuer Garmin GPS Empfänger. Die Navigation mit dem Gerät erweist sich als nicht so nützlich, da es für diesen Teil Europas nur einfache und oft ungenaue elektronische Karten gibt. Allerdings ist es ein Genuss, die aufgezeichneten Daten in Form von Höhen- und Streckenprofilen auszuwerten oder sich den Verlauf in 3D-Animation in GoogleEarth anzuschauen.

Anforderungen:

Die 1053 km lange Radreise über 12000 Höhenmeter mit Gepäck erfordert eine gute Kondition und die Liebe zu Bergfahrten. Nur einige Kilometer benutzen wir Schotterpisten oder unbefestigte Wege. Der Autoverkehr ist gering. Selbst auf der von uns benutzten Küstenstraße ist der Seitenstreifen gut zu befahren. Ganz selten empfinden wir den Autoverkehr als unumgängliches Übel.

Reiseteilnehmer: Rolf und Wolfgang

Rolf ist, genau wie ich, ein begeisterter und erfahrener Reiseradler. Neben zwölf Radtouren, die wir in den letzten zwölf Jahren vorwiegend im östlichen Europa gemeinsam unternommen haben, werden auf seiner Internetseite noch viele weitere Radreisen in ganz Europa und Israel vorgestellt. Nach anfänglichem Radeln im Flachland haben wir uns mehr und mehr an die Berge gewagt und gewinnen immer mehr Freude an schweißtreibenden Bergfahrten. Gemeinsam präsentieren wir unsere Reisen mit den dazugehörigem Material auf der Radreisemesse des ADFC in Hamburg. Auf unseren Touren bevorzugen wir stabiles und bewährtes Material: Gute Erfahrungen haben wir mit unseren Stahlrahmenrädern mit Magura Hydraulikbremsen und den soliden Ortlieb Fahrradtaschen gemacht.

Angaben:

Alle km- und Höhen-Angaben sind nach besten Gewissen meinen GPS Empfänger entnommen. Eine Gewähr auf die Daten kann ich aber nicht geben (nobody is perfect).

1.Tag: Anreise nach Dubrovnik (35 km)

Mit den gut verpackten Rädern geht es in morgens um 3 Uhr mit dem Leihtransporter nach Hannover, wo uns unser Flieger nach Dubrovnik startet, dem Anfang unserer 12. gemeinsamen Radtour. Gelandet in Dubrovnik packen wir schnell unsere unversehrten Räder aus, entsorgen die Pappkartonverpackung und genießen bei sonnigen Temperaturen die kurze Fahrt ins vorgebuchte Hostel in Dubrovnik. Es liegt in der Nähe des Hafens und hat (!) einen Garten mit Erdbeeren zum Selbst pflücken. Schon zum Beginn unserer Reise spüren wir die Spuren des Serbisch-Kroatischen Krieges. Das umkämpfte Dubrovnik ist heute vollständig wieder aufgebaut und so finden wir eine restaurierte Altstadt vor, die nichts von ihrem mediterranen Charme verloren hat. Auf den touristisch angepriesenen Rundgang über die Stadtmauer verzichten wir und bummeln lieber durch die kleinen Gassen der Altstadt. Wieder zurück im Hostel probieren wir den süßlichen Hauswein, entscheiden uns künftig aber Bier zu trinken und haben das Gefühl, ohne Anlauf schon mitten auf unser Tour zu sein.

2.Tag: Von Dubrovnik nach Trstenik (104 km)

Wie alle Reiseradler beschäftigen uns vor jeder Etappe die drei wesentlichen Fragen: Wo gibt es was zu Essen? Haben wir genug zum Trinken dabei? Ist genügend Luft im Reifen? Also frühstücken wir zunächst gut und reichlich, füllen unsere Wasserflaschen auf und stoppen an der nächsten Tankstelle, um den Reifendruck zu prüfen. Gut gerüstet geht’s auf der ersten Etappe gleich richtig in die Beine. Der heutige Tag führt uns zunächst entlang der dalmatischen Küste. Der faszinierende Blick auf die Bucht und die Küste von der Dubrovascka-Brücke lassen den Gegenwind und die anstrengende Steigung schnell vergessen. Besser als erwartet erweist sich das Radeln auf dem Seitenstreifen der Küstenstraße nach Ston. Ein Versuch, parallel auf Nebenwege auszuweichen, endet schweißtreibend in einer Sackgasse. Pelješac ist unsere erste Insel, die bei Ston über eine kleine Brücke zu erreichen ist. Ston ist von der Landseite durch eine „chinesische“ Mauer geschützt. Der ruhige Ort mit kleine Gassen ist übersichtlich und wir verweilen hier ein wenig. Die kleineren Straßen auf Pelješac sind zwar ruhiger, jedoch geht es ständig bergauf und bergab. Wir sind froh, als wir im Muschelzuchtgebiet von Draca eine Beach Bar finden, wo wir für den Schlussanstieg des heutigen Tages neue Kräfte sammeln (mit einem kühlen Bier). Wir haben vor, bei in Trstenik eine Unterkunft zu suchen, falls diese vorhanden ist. Als wir jedoch die Abzweigung nach Trstenik erreichen, stehen wir vor einer schweren Entscheidung: Die Abzweigung liegt 100 Höhenmeter (hm) oberhalb des Ortes. Das bedeutet, dass wir 100 m hinab und dann auch noch wieder hinauf radeln müssen, falls wir keine Unterkunft finden. Wir entscheiden uns, die Hauptstraße weiter hinauf zu radeln, in der Hoffnung, im nächsten Ort ein Bett zu finden. Eine Fehlentscheidung, denn es geht 300 hm steil bergauf und mit viel Schweiß stellen wir fest, dass der folgende Ort keine Unterkunft für uns hat. Nun können wir wenigsten die rasende 400 hm Abfahrt runter nach Trstenik genießen und sind überglücklich mit dem kleinen Appartement, das man uns anbietet. Frisch geduscht lassen wir unsere Räder stehen und laufen die wenigen Meter zum Hafen. Hier verlockt die Bar „Felix“ zur abendlichen Einkehr. Zum Essen müssen wir uns jedoch drei Tische weiter setzen, wo für uns nur schwer erkennbar die Grenze zwischen Bar und Restaurant verläuft.

3.Tag: Von Trstenik nach Vela Luka (75 km)

Das spärliche Frühstück erweitern wir um eine Brotmahlzeit aus dem örtlichen „Tante Emma Laden“. Mit aufgefüllten Trinkflaschen und gut gelaunt starten wir, denn mit dem Tipp des Hotelbesitzers finden wir eine kleine neue Straße direkt an der Küste und können es so vermeiden, den heftigen Anstieg vom gestrigen Abend nochmals zu erklimmen. Doch auch auf der kleinen Straße geht es gleich zehnprozentig hinauf. Eine dunkle Tunneldurchfahrt führt zurück zur Hauptstraße. Wir passieren dabei eine Weinprobierstelle mit Selbstbedienung, in die wir nicht einkehren, denn vor uns liegt noch ein anstrengender Weg und der süße Wein ist sowieso nicht unser Geschmack. Wir genießen die lange Talfahrt zur ersten Fähre unserer Reise, die uns mit wehender kroatischer Fahne nach Korcula auf Korcula übersetzt. An der Fähre begegnen uns zwei bayrische Radler, die von einer Nebenstrecke auf einer Schotterpiste berichten. Wir wollen heute noch den Fährhafen Vela Luka erreichen und passieren den sicherlich sehenswerten Ort Korcula recht schnell. Nach den ersten Serpentinen blicken wir zurück hinunter auf den malerischen Ort. Die Hauptstraße vor uns führt über die höchsten Erhebungen im Zentrum der Insel. Doch kurz vor dem Schlussanstieg auf den höchsten Punkt der Strecke finden wir die Abzweigung auf die erwähnte Schotterpiste. Wir wählen die Nebenstrecke, die, steil bergab führend, die ganze Kunst des Gepäckfahrradfahres fordert. Langsam wird es wieder flacher. Durchgerüttelt halten wir hier und da an und bewundern die zerklüftete Küstenlandschaft mit faszinierenden Einblicken in verträumte Buchten. Wieder angekommen an der Hauptstraße passieren wir eine Hochebene im Inselinneren. Sofort wandelt sich der Charakter der ärmlich erscheinenden Ortschaften. Von der Farbenpracht der lebendigen Küstenorte ist hier nichts zu spüren. Doch schon bald geht’s in rasender Abfahrt bergab nach Vela Luka, einer beschaulichen Hafenstadt. Der Hafen mit seinen Fischerbooten fesselt uns und wir suchen uns ein kleines Hotel mit Hafenblick. Frisch geduscht sitzen wir auf der Veranda des Hotelrestaurants beim Essen, als wir mit dem ersten Sonnenuntergang unserer Reise und dem dazugehörigen Sunset-Bier für die Mühen des Tages belohnt werden.

4.Tag: Von Vela Luka nach Sibenik (88 km)

Die morgendliche 6 Uhr Fähre verlangt uns zunächst alles ab: Früh aufstehen, alles organisieren und dann noch das ganze Gepäck verstauen, und das alles vor dem ersten Kaffee. So sind wir froh, auf der Fähre nach Split ruhig und verträumt zu frühstücken. Vier Stunden dauert die Überfahrt und angekommen geht es gleich ins touristische Gewühl. Wir schieben (!) unsere Räder durch die engen Gassen der Altstadt, die in und um den römischen Diocletian-Palast gebaut wurde. Zwischen dem bunten Treiben besichtigen wir die Kathedrale und machen uns dann auf den Weg, denn unser heutiges Ziel ist noch weit. Wir wählen eine Nebenstrecke, um Split den Rücken zu kehren. Doch unerwartet gibt es hier ein hohes Verkehrsaufkommen. Besonders unangenehm sind die LKWs, die uns bis zu unserer Mittagspause nach Trogir begleiten. Im Hafen von Trogir treffen wir auf das Motto unserer Radreise: „Inselhüpfen.de“ steht an dem Schiff, das organisierte österreichische Radler beherbergt. Nach kurzem Small Talk verabschieden wir uns, denn wir bevorzugen das individuelle Radreisen mit eigenem Gepäcktransport. Die große Küstenstraße lässt sich nun nicht mehr vermeiden - doch wir sind angenehm überrascht über das mäßige Verkehrsaufkommen. Auf den guten Seitenstreifen kommen wir schnell voran. Mit Touristenbüro-Unterstützung finden wir ein Privatzimmer in der Nähe der Altstadt Sibenik. Der abendliche Stadtbummel endet am Hafenrestaurant mit unserem zweiten Sunset-Bier.

5.Tag: Von Sibenik nach Vuksic (45 km)

Am heutigen Morgen beschäftigen uns mal wieder die bereits erwähnten drei wesentlichen Fragen: Zunächst flicke ich meinen Reifen, denn über Nacht habe ich einen Platten bekommen. Ein Frühstück besorgen wir uns in einer Bäckerei. Da es Sonntag ist, kaufen wir das Trinkflaschenwasser an einer Tankstelle. Nach den leichten Startschwierigkeiten ist es uns recht, nur eine kurze Etappe vor uns haben. Es geht mal wieder aufwärts aus Sibenik hinaus. Nach wenigen Kilometern oben angekommen, liegt vor uns im Tal der blaugrün leuchtende Nationalpark Krka, den wir heute besichtigen werden. Wir dürfen mit unseren Rädern bis ins Nationalpark-Tal hinab fahren. Den Gedanken an die Rückfahrt bergauf schieben wir beiseite und genießen die steilen Serpentinen bergab, denn für PKWs ist die Straße gesperrt. Wir lassen unsere Räder stehen und spazieren über Stege durch das verzweigte Flußgebiet. In dem dschungelartigen Areal sind eine Vielzahl rauschender Wasserfälle zu bewundern. Wir machen viele Fotos und pirschen uns für Nahaufnahmen an eine Libellenfamilie heran. Erleichtert stellen wir fest, dass wir die Serpentinen nicht zurück müssen, denn wir können mit den Rädern dem Flußlauf folgen. Mit Bier und Bratwurst gestärkt machen wir uns auf nach Vuksic. Hier wartet Helmuth bereits auf uns. Helmuth lebt hier mit seiner kroatischen Frau und wir werden aufs herzlichste begrüßt. Wir verbringen einen wunderbaren Abend mit kroatischem Boccia gegen den Bürgermeister und werden von ihm danach zu einem ausgezeichneten (!) Hauswein eingeladen.

6.Tag: Von Vuksic nach Pag (118 km)

Wir frühstücken heute zusammen und freuen uns darüber, dass Helmuth uns ein Stück auf der heutigen Etappe begleitet. Hier im Landesinneren, nicht unweit der bosnischen Grenze, sind die Auswirkungen des Balkankrieges noch deutlich erkennbar. Wir sehen dachlose Häuser, die von den Besitzern in diesem armen Landstrich nicht wiederaufgebaut wurden. Bald erreichen wir den Rand des Hochplateus und blicken von oben auf die Küste mit dem davor liegenden „Vransko Jezero“, dem größten kroatischen Binnensee. Nun geht es mit wehenden Fahnen bergab bis zur Küstenstraße. Hier trennen wir uns von Helmuth und wählen den Rückenwind, der uns zügig nach Zadar schiebt. Wir machen einen kleinen Altstadtbummel und besichtigen die Kathedrale mit ihrer ungewöhnlichen Architektur. Weiter begleitet vom Rückenwind kommen wir danach flott voran und nutzen diesen Vorteil, um heute noch bis Pag auf Pag weiter zu fahren. Die Straßenbrücke auf die Insel Pag führt uns in eine karge wüstenähnliche Felslandschaft. Auf dem Weg zum Ort Pag sehen wir nach Osten aufs Festland, wo sich das 1700 m hohe Velebit Gebirge erhebt. Der kleine Hafenort Pag ist überschaubar und wir finden recht bald eine Privatunterkunft. Das abendliche Mahl am Hafen und den Altstadtbummel genießen wir bei lauschigen Temperaturen immer wieder aufs Neue.



7.Tag: Von Pag nach Rab (66 km)

Der heutige Tag beginnt mit Serpentinen. Gleich drei Mal wechseln wir die Inselseite, wobei es jedes mal über den zentralen Bergkamm geht. Am Himmel ziehen bedrohliche Gewitterwolken auf, die in Kombination mit der Felslandschaft ein bizarres Bild bieten. So sind wir froh, trocken am Fährhafen von Novalja anzukommen. Um unser heutiges Ziel Rab zu erreichen, müssen wir zunächst auf das Festland übersetzen und ein Stück auf der Küstenstraße (E65) weiterradeln. Doch unsere Laune sinkt, denn nach steilem Anstieg zur 250 m hoch gelegenen Europastraße werden wir vom Gewitterregen empfangen. Schlagartig wird es kälter. Wir fahren regengeschützt weiter zum Rab-Fährhafen Jablanac, wo der Regen schon wieder aufhört. Die Wartezeit auf die Fähre nutzen wir als Mittagpause. Wir sind froh, bei der Wettersituation ohne große Mühen mit dem Rad in Rab auf Rab anzukommen. Hier erwartet uns eine steife Brise – aber damit kommt man als Hamburger gut zurecht. Wir quartieren uns etwas außerhalb in einem modernen kleinen Hotel ein. Zu Fuß (!) gehen wir die Uferpromenade entlang und erfreuen uns an dem Altstadtblick. Wir bummeln durch die kleinen Gassen im abendlichen Rab. Eine ausführliche Besichtigung haben wir uns für den nächsten Morgen vorgenommen. Gut gesättigt wählen den Rückweg zum Hotel über den nächtlich-verträumten Friedhof.

8.Tag: Von Rab nach Lopar (38 km)

Unsere Fähre geht laut Auskunft vom Hotel, Internet und Touristeninformation um 15 Uhr, so dass wir heute Morgen zunächst eine Besichtigungsrunde durch die Altstadt machen. Die vier Kirchtürme des Ortes, die vom Aussichtspunkt wie in einer Reihe aufgestellt aussehen, bieten ein ausgiebiges Fotomotiv. Rab zeigt sich bei sonnigem Wetter trotz der Touristengruppen ruhig und beschaulich. Ich nutzte den Bummel durch die Souveniermeile für den Kauf eines eingedosten RAB-T-Shirts. Nach den Mittagessen radeln wir gemütlich die wenigen Kilometer bis zur Fähre in Lopar, wo wir im Fährbüro überraschend und ein wenig verärgert erfahren, dass die 15 Uhr Fähre erst mit dem Sommerfahrplan den Betrieb aufnimmt. Und der Sommerfahrplan beginnt erst am nächsten Tag. Aus Erfahrung wissen wir, dass einmal auf jeder Radreise Plan B greifen muss. Also suchen wir uns eine Unterkunft in Nähe der Fähre, die am nächsten Tag gleich um 6 Uhr geht - wiedermal vorm Frühstück. Den restlichen Tag machen wir eine gepäcklose Radtour entlang der Küste im Norden der Insel. Auf ein verlockendes Bad im Meer verzichten wir, denn das Wasser ist noch recht kalt. Am Abend lässt ein wunderschöner Sonnenuntergang mit Sunset-Bier den Ärger mit der Fähre schnell vergessen.

9.Tag: Von Lopar auf Rab nach Vozilici in Istrien (84km)

Wir sorgen uns ein wenig, denn gleich früh am Morgen (6 Uhr) empfängt uns am Fährableger die Warnung vor einem Anstieg mit 18 % bei der Ankunft in Baska. So beschließen wir in Baska zunächst einmal in Ruhe zu frühstücken. In einer Bäckerei versorgen wir uns mit Crossaints und Kuchen und bekommen im Hafen-Cafe unseren Kaffee dazu. Wir nehmen erleichtert zu Kenntnis, dass die 18 % Steigung nur von den Autofahrern bewältigt werden muss. Von Baska geht’s das grüne Suharicinatal zunächst moderat und dann etwas steiler hinauf und führt dann nach einer flotten Abfahrt nach Krk auf Krk. Ein holländisch-ungarisches Reiseradlerpaar, das wir schon auf unserer Talfahrt bemerkten, hat Probleme mit verölten Bremsen. Die von uns angebotene Pannenhilfe scheitert am fehlendem Material. Nach einer Reiseradlerplauderei mit den so typischen Fragen nach dem Heimatort, der Reisenroute, der Streckenbeschaffenheit und der Qualität des Fahrrad- und Zubehörmaterials machen wir uns auf zur nächsten Fähre, die hinter dem Hügel von Valbiska auf die Insel Cres übersetzt. Auf Cres liegt der bislang höchste Anstieg vor uns. Der höchste Punkt ist zwar nur 450 m hoch, doch es geht immer wieder bergab und wir klettern so fast 800 Höhenmeter hinauf. Im Gegensatz zum grünen Krk ist Cres eher von einer kargen Landschaft geprägt. Die Straße ist gut zu befahren. Es geht hinab zur letzten Fähre des heutigen Tages. Die entgegenkommenden Autos weisen auf die Ankunft einer Fähre hin. Wir wissen, dass die Fähren hier nur stündlich übersetzen. So rasen wir so schnell es geht die Serpentinen hinunter. Leider sehen wir nur noch, wie die Fähre vor unseren Augen ablegt. Die einstündige Pause tut uns gut, doch es ist schon spät als wir die Küste Istriens erreichen. Auch hier können wir die angekündigte Steigung (20 % !!!) mit dem Rad umfahren. Das abendliche Licht spielt mit den Wolken und so erscheinen selbst Industrieschornsteine als romantische Bauwerke. In ländlichen Gegenden sind Unterkünfte oft nicht unmittelbar zu finden. Wir fragen daher in einer Taverne nach, denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass uns ortskundige Wirte oder auch Gäste gerne bei der Suche nach einer Unterkunft helfen. Auch hier führt uns ein Hinweis in das Appartement einer kleinen Pension, wo wir sehr persönlich gleich zu einem Glas Hauswein eingeladen werden. Mit 1700 Höhenmetern ist dieses eine der schwerste Etappen auf meinen Radreisen. Und so fallen wir nach ausgiebigen Abendessen müde ins Bett.

10.Tag: Von Vozilici nach Pula (63km)

Der heutige Tag führt uns nach Pula der größten Stadt Istriens. Trotz der zwei steilen Anstiege auf der befahrenen Hauptstraße kommen wir schon am frühen Nachmittag in Pula an und radeln gleich zur Jugendherberge weiter, die hier direkt am Strand liegt. Auf unseren Radreisen quartieren wir uns immer wieder gerne in Jugendherbergen ein. Jugendherbergen bieten gerade für individuell reisende Radler preisgünstige Übernachtungen, die den beiden wesentlichen Ansprüchen nach einem Bett mit einer guten Dusche erfüllen. Zudem bieten Jugendherbergen oft gute Möglichkeiten zur Wartung des Fahrrades und zur Reinigung und Trocknung der Bekleidung. Mit anderen Individualreisenden aus vielen Ländern kommt man leicht und locker ins Gespräch. Im Zusammenhang mit Jugendherbergen gibt es für mich nur ein Problem. Mit einer Körpergröße von 1,98 m bevorzuge ich eine Bettenlänge von mindestens zwei Metern. Jugendherbergen haben dagegen oft nur 1,9 m lange Etagenbetten. Auch heute ist es nicht schwer, den jungen Frauen an der Rezeption mein Problem verständlich zu machen. Begleitet von einer der jungen Damen mache ich mich auf, um gemäß meiner Ansprüche ein passendes Bett zu finden. Die Herberge besteht aus mehreren Häusern und Pavillons. Die Pavillons erweisen sich als ungeeignet und so wird extra für uns eines der Haupthäuser geöffnet, in dem wir zu zweit ein großes 8-Bettzimmer beziehen. Die Hauptattraktion von Pula ist das römische Kolosseum. Als begeisterter Anhänger der römischen Baukunst ist ein ausgiebiger Besuch unvermeidlich. Auf dem verkehrsreichen Vorplatz beim Kolosseum signalisieren die Reisebusse die Anwesenheit vieler Touristen aus aller Welt. Doch als wir das Innere des Kolosseums betreten wird es ehrfürchtig ruhig. Im Anblick des 2000 Jahre alten Gemäuers und bestückt mit einem Audiogerät stelle ich mir verträumt das Leben der alten Römer in dieser monumentalen Arena vor. Im zugehörigen Museum entdecken wir eine altrömische Straßenkarte, die allerdings mit der Präzision unseres Kartenmaterials nicht mithalten kann. Im Gegensatz zu den Ortschaften an der dalmatischen Küste kommt uns die Stadt Pula etwas heruntergekommen vor. Auch unser Abendessen ist nicht das Beste. Auf dem Heimweg entlang der Küstenpromenade liefern wir uns ein Rennen mit einem Auto. Ausgelöst durch körperliche Anstrengung bekomme ich Heißhunger und erbitte auf händisch und füßisch beim Mann an der Bar der Jugendherberge eine Brotmahlzeit. Dieser besorgt sich sogleich den Schlüssel für die Herbergsküche und „holt“ mir ein Stück Brot mit Streichkäse. Wir trinken noch ein letztes Bier zu Abschluss eines beeindruckenden Tages.

11.Tag: Von Pula nach Porec (69km)

Bei einer Altstadtbesichtigung am heutigen Morgen machen wir die letzten Fotos von Pula. Um die verkehrsreiche Hauptstraße zu meiden, weichen wir auf eine Nebenstrecke aus. Doch eine Durchfahrt durch ein Naturschutzgebiet ist auch für uns unmöglich. Wir verlieren unerwartet viel Zeit, denn wir müssen einen Teil der Strecke auf einer Schotterpiste zurück radeln. Es ist schon recht spät, als wir die Altstadt von Rovinj besichtigen. Hier auf Istrien spürt man die Nähe zu Italien deutlich. Rundherum gibt es Pizza und auch ein Cappuccino ist überall zu bekommen. Auf unserem Weg nach Porec müssen wir eigentlich einen weiten Bogen um den Limski Fjord machen. Wir wissen jedoch, das der touristisch attraktive Fjord von vielen Schiffen besucht wird. Wir haben Glück und finden ein touristisches Fischerboot, das uns nach Vrsar nimmt. Beim Verstauen der Räder schauen wir besorgt zu und unsere Räder bekommen auch ein paar Schrammen ab. Unterwegs werfen die Fischer ihre Netze zum Fischfang aus, doch die Beute erscheint spärlich. Die Seesterne bekommen die Kinder; unverwertbare und kleine Fische werden an die Möwen verfüttert, die plötzlich in reichlicher Zahl auftauchen. Im Vrsar erfahren wir, das Polen im Fußballspiel gegen Kroatien mit 1:0 in Führung gegangen ist. Das bedeutet für uns „leere Straßen“ auf dem Weg nach Porec. Der letzte Abend in Kroatien beginnt mit einem grandiosen Sonnenuntergang. Ich verschiebe mein Duschbad, um mit Rolf unser letztes Sunset-Bier zu zelebrieren.

12.Tag: Von Porec nach Triest (112km)

Nach einem Frühstück „italienischer“ Art und einer kleinen Fotorunde durch die Stadt kommen wir auf verkehrsreichen Straßen gut voran. Einen mäßigen Anstieg bewältige ich gemeinsam mit einem holländischen Rennradler, der anerkennend auf mein Gepäck schaut und vermutet “Ihr seid das Berge fahren wohl gewohnt?“. Ich gebe ein wenig an, als ich ihm antworte, dass wir in Hamburg eigentlich keine Berge haben. In Umag stärken wir uns. Kurz vor der slowenischen Grenze begegnen wir einem englischen Reisenradler, der uns, nach der üblichen Reiseradlerplauderei, mit nützlichen Tipps und slowenischem Kartenmaterial versorgt. Wir passieren die slowenische Mittelmeerküste in nur vier Stunden und machen zudem noch eine genüssliche Eis-Pause in dem, von Touristen überfüllten Piran. Schon öfters haben wir auf unseren Reisen gute Erfahrungen mit den slowenischen Radwegen gemacht. Dieser Eindruck bestätigt sich, als wir auf den Radweg D8 treffen, der gut asphaltiert auf einer ehemaligen Bahnstrecke inklusive der alten Tunneldurchfahrten verläuft. Wir lassen Koper links liegen, wenden uns danach der Küste zu, um schließlich auf einer Nebenstrecke die italienische Grenze zu passieren. Auf der anderen Seite der Bucht erkennen wir schon das Zentrum von Triest. Wir bedauern, dass es hier keine Fähre gibt. So müssen wir rund um die Bucht auf teils vierspurigen Hauptstraßen zwei Tunnel passieren und schlängeln uns im dichten Autoverkehr „italienischer Art“ bis in Zentrum vor. Dort finden wir recht einfach eine kleine Pension. Nach 116 km dinieren wir gut und reichlich am Canale Grande von Triest.

13.Tag: Von Triest nach Zagora an die Soca (68 km)

Es ist Pfingstmontag und wir besichtigen heute Morgen zunächst Triest. Viele Fotos machen wir von den historischen Bauwerken am zentralen Platz, der direkt am Meer liegt. Der steile Anstieg hinauf zum Burgfelsen lohnt sich, denn dort liegt die Kathedrale, die mit ihrer schlichten Schönheit zum längeren Verweilen einlädt. Nach der Stadtbesichtigung machen wir uns auf den Weg ins slowenische Socatal. Auf feiertagsruhigen Straßen geht es entlang der Küste. In Monfalcone verabschieden wir uns mit einem Mittagsmahl von der Mittelmeerküste. Unser ursprüngliches Ziel Goricia an der Soca gefällt uns nicht so gut und wir wechseln gleich ins slowenische Nova (Neu) Gorica. Auch hier ist der Plattenbaustil nicht besonders ansprechend. Nach vergeblicher Suche nach der Touristeninformation trinken wir zunächst ein Frustbier. Etwas entspannter finden wir dann auch das „i“-Schild und buchen von dort aus eine Privatunterkunft etwa 10 km weiter das Socatal hinauf. Da die Unterkunft etwas abseits liegt, bietet der Vermieter an, uns von der Hauptstraße abzuholen. Wir halten dieses Angebot zunächst für überflüssig. Doch als es auf der verkehrsreichen Straße unterwegs plötzlich heftig anfängt zu regnen, sind wir froh vom Vermieter aufgesammelt zu werden. Steil geht’s im strömenden Regen den Berg hinauf. Oben angekommen beziehen wir unser Zimmer. Die Frage nach einem Abendessen erwidert der Vermieter mit dem Angebot, uns zum Restaurant seiner Kusine an die Soca hinunter zu fahren. Dort erwartet uns eine Art Imbiss mit Plastikmessern. So sind wir angenehm überrascht über die äußerst leckere und ergiebige Grillplatte.

14.Tag: Von Zagora nach Log (74 km)

Das Socatal ist als ein beliebtes Outdoor-Gebiet bekannt. Neben den guten Wandermöglichkeiten sind uns besonders die vielen Kanusportler aufgefallen, die auf den Wildwasserabschnitten der Soca mit dem Material und den Elementen kämpfen. Die Fahrt entlang der grün leuchtenden Soca beginnt mit einer moderaten Steigung. Wir versuchen hin und wieder auf Nebenstraßen an der gegenüber liegenden Socaseite auszuweichen, was aber mit aller Regelmäßigkeit in einer Sackgasse endet. Wenige Kilometer vor Most verlässt die Hauptstraße die Soca. Wir dagegen wollen uns die „Brücke“ (Most=Brücke) anschauen und nehmen daher die steile Nebenstrecke entlang des Flusses. Umgeben von einer schönen Landschaft werden wir mit einem fantastischen Blick auf die Socaschlucht belohnt. In Most machen wir einen kurzen Brückenstopp. Es geht nun recht ruhig auf kleinen Straßen das Tal hinauf. Nach unserer Mittagspause in Kobarid verschlechtert sich das Wetter und wir radeln einige Kilometer im Regen. Der alpine Charakter wird immer ausgeprägter. Vor uns türmen sich die felsigen Berge der slowenischen Alpen auf. In der Touristeninformation in Bovec erfahren wir, dass wir in Log eine Unterkunft bekommen können. Wir beschließen mutig weiter zu fahren, denn die 200 Höhenmeter nach unserer Karte sind noch zu schaffen. Wir verlassen nun die Soca in Richtung Predelpass. Von der kleinen Brücke über die Karitnica blicken wir 50 m tief in die imposante Schlucht hinab. An diesem strategisch bedeutenden Ort finden wir nicht unerwartet eine militärische Stellung aus dem 1. Weltkrieg. Es geht immer wieder auf und ab. So haben wir anstelle der geplanten 200 Höhenmeter bereits 450 Höhenmeter hinter uns, als es am Ortseingang von Log anfängt heftig zu regnen. Eine halbe Stunde stellen wir uns unter, bis wir dann doch unsere Regensachen überziehen, um danach festzustellen, dass wir nur 50 m neben unserer Pension gewartet haben. Wir trocknen im Heizungskeller unsere Kleidung und Schuhe und sind froh, zum Abendessen das Haus nicht mehr verlassen zu müssen.





15.Tag: Von Log nach Villach (24 km)

Mit Respekt und ausgezeichnetem Frühstück geht es durch die alpine Bergwelt 600 weitere Höhenmeter hinauf zum Predelpass. Die verkehrsarme Straße ist gleichmäßig ansteigend. Wir klettern bewaldete Serpentinen hinauf und passieren karge Felsregionen. Bei sonnigem Wetter gestartet, bauen sich nun dunkle Wolken hinter uns auf. Doch wir erreichen trocken den 1156 m hohen Predelpass an der italienischen Grenze. Im Gegensatz zu uns schaffen die Wolken den Predelpass nicht und so sausen wir bei Sonnenschein auf der italienischen Seite die Serpentinen hinab. In Tarvisio speisen wir zu Mittag und begeben uns danach ein Stück auf den Alpen-Adria-Radweg, der auf diesem Abschnitt eine exzellente Oberfläche hat. Er ist hier jedoch mit engen Kurven und kurzen, extrem steilen Steigungen eher für trainierte Reiseradler geeignet. Rechts von uns lassen wir den Wurzenpass liegen. Wir erinnern uns, wie wir vor ein paar Jahren über den Wurzenpass nach Villach gefahren sind und erkennen den Drau-Radweg wieder, auf dem man entspannt nach Villach kommt. Bis zur Abfahrt des Zuges haben wir noch drei Stunden Zeit. So fragen wir nach einem Duschbad bei der bahnhofsnahen Jugendherberge an, die wir bereits von einer Übernachtung auf einer unserer letzten Radreisen kennen. Frisch und sauber bedanken wir uns mit einem Trinkgeld bei der Reinigungskraft, die ohne zu Zögern ihre Einverständnis gegeben hat. Nach Kaffee und Kuchen begeben wir uns zum Bahnhof. Zugfahren mit dem Reiserad ist immer ein besonderes Erlebnis, besonders dann, wenn man mit dem Rad umsteigen muss. Die Fahrt von Villach nach München verläuft ruhig und ohne Probleme. Nur die Verspätung, die der Zug hat, beunruhigt uns, denn in München wartet der Nachtzug auf uns. Im Münchner Sack-Hauptbahnhof geht es daher hektisch zu, denn wir müssen mit den Rädern den ganzen Zug entlang bis zum Kopfende des Bahnhofs und dann wieder zurück den ganzen Nachtzug entlang bis zur Lok. Dort bringen wir rasch die Räder unter und drängen uns dann mit dem Gepäck durch die voll besetzten Wagen zurück zum hinteren Ende des Zuges. Hier wartet ein kleiner aber feiner Schlafwagen auf uns, in dem sogar die Bettenlänge meinen Minimalanforderung genügt. Wir besuchen den Speisewagen. Bei einem Bier erinnern wir uns glückselig zurück an eine außergewöhnliche Radreise mit mehr Höhen als Tiefen.